19.–20.09.2026
Gemeinsam
Plessi erkunden
Zwischen den hohen Halmen am Ufer lag der See ruhig und weit. Im flachen Wasser standen kleine Fische über dem sandigen Grund. Im dichten Schilf knackte und raschelte ein Tier, das sich nicht zeigen wollte, während Vögel über den Wiesen ihre Kreise zogen. Hinter den Feldern begann der Wald, dunkel und kühl, und aus der Ferne kam das gleichmäßige Rauschen der Autobahn.
Wer hier am Wasser saß, sah mit der Zeit immer mehr: die Käfer zwischen den Gräsern, die Schatten unter der Oberfläche, das Zittern der Blätter im Wind. Und vielleicht erinnerte man sich an einen warmen Sommerabend, ein Gespräch an der Badestelle, einen Weg, den man schon als Kind gegangen war. An etwas an diesem Ort, das man liebte, lange bevor man wusste, dass er einmal in Gefahr sein könnte.
Bei „Am See sagen wir Du“ erzählen wir uns diese Geschichten. Wir lernen, den großen Plessower See mit den Augen der anderen zu sehen. Wir entdecken das Vertraute neu und fragen gemeinsam, was diesen Ort für uns ausmacht – und was wir tun können, damit er so bleibt, wie wir uns gern an ihn erinnern.
„Am See sagen wir Du“ ist ein Wochenend-Workshop zwischen Wissenschaft, Kunst und Erzählungen.
Zwei Tage lang gehen wir dem Plessi auf den Grund: Mit Erinnerungen, Gesprächen, wissenschaftlichen Methoden und kreativen Experimenten erkunden wir den See und fragen, wie seine Zukunft aussehen kann. Wir beschäftigen uns mit unserer Beziehung zum Plessi und lernen ihn aus verschiedenen Perspektiven kennen. Mithilfe der Unterwasserkamera werfen wir einen Blick unter die Wasseroberfläche. Zum Abschluss entsteht eine kleine gemeinsame Ausstellung. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Wasser ist für uns ein selbstverständlicher Teil des Alltags – gerade in Brandenburg, einem der gewässerreichsten Bundesländer. Doch seit Jahren sinken vielerorts die Grundwasserstände und Seepegel. Die Auswirkungen der Klimakrise werden zunehmend auch bei uns spürbar: Steigende Temperaturen, Wasserknappheit und Nutzungskonflikte sind keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr, sie betreffen uns direkt vor unserer Haustür. An den Orten, mit denen wir Erinnerungen, Erholung und Heimat verbinden.
Ein Beispiel dafür ist der Plessower See – ein einzigartiger Ort: Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, Erholungsgebiet und eine wichtige Trinkwasserquelle. Doch auch der Plessi kämpft in den vergangenen Jahren zunehmend mit Veränderungen. Auch sein ökologischer Zustand ist schlechter, als man auf den ersten Blick glaubt.
Mit dem Workshop wollen wir das Bewusstsein für fragile Gleichgewichte, Lebensqualität und lokale Probleme schärfen. Gleichzeitig möchten wir ermutigen, neue Perspektiven einzunehmen.
Wer kann dabei sein?
Der Workshop richtet sich vorrangig an Menschen aus Werder und Umgebung und an alle, die sich dem Plessower See verbunden fühlen oder ihn besser kennenlernen möchten.
Vorkenntnisse brauchst du nicht – nur Neugier auf den See, seine Geschichten und die Perspektiven anderer.
Wann findet es statt?
Wir treffen uns am Samstag, den 19. September, und Sonntag, den 20. September 2026, in der Klimawerkstatt Werder und draußen am Plessower See.
Die beiden Workshoptage bauen aufeinander auf. Plane daher bitte ein, an beiden Tagen dabei zu sein.
Wie kannst Du dabei sein?
Du möchtest dabei sein? Dann erzähl uns bis zum 31. August über das Formular kurz, was dich am See und an unserem Workshop interessiert. Es gibt 20 Plätze, die Teilnahme kostet 10 Euro.
Fünf kostenfreie Soli-Plätze stehen ebenfalls zur Verfügung.
Unser Programm
Zwei Tage lang schauen wir gemeinsam genauer hin: auf den Plessower See, auf unsere Erinnerungen an ihn und auf das, was sich verändert. Wir verbinden persönliche Geschichten mit Wissen, künstlerischer Spurensuche und gemeinsamen Gesprächen. So entsteht ein vielschichtiges Bild des Sees – und aus unserer Verbundenheit wachsen Ideen für gemeinsames Handeln.
10:00–18:30 Uhr
Aus Erinnerungen, Wissen, Bildern, Spuren und Klängen entsteht Schritt für Schritt ein vielschichtiges Porträt des Sees:
- Wir lernen einander kennen und teilen unsere persönlichen Geschichten und Erinnerungen rund um den Plessower See.
Gemeinsam fragen wir: Wie erinnern wir den See? Wie erleben wir ihn heute und wie hat er sich im Laufe der Zeit verändert? - In einem Impulsvortrag lernen wir den See als Teil eines größeren ökologischen Systems kennen: Wir sprechen über seinen Zustand und werfen einen Blick darauf, was Wassermangel in Brandenburg eigentlich bedeutet. Wie hängen Klimaveränderungen, Wasserhaushalt und sinkende Seespiegel zusammen und was heißt das für den Plessower See?
- Mit einer Unterwasserkamera gehen wir auf Entdeckungstour und suchen nach spannenden Motiven unter der Wasseroberfläche.
- Bei einer Spurensuche am See halten wir Ausschau nach den Zeichen von Menschen und Tieren und lauschen dem See. Mit künstlerischen Methoden machen wir sie sichtbar, sammeln Beobachtungen und Geräusche.
Sonntag, 11:00–17:30 Uhr
Am zweiten Tag richten wir den Blick nach vorn und erkunden, wie aus unserer Verbindung zum See neue Perspektiven, gemeinsame Ideen und Möglichkeiten zum Handeln entstehen können.
- Wir schauen gemeinsam auf das, was am Vortag entstanden ist, und nehmen uns Zeit, unsere Eindrücke und Erlebnisse zu teilen.
- In einem Impulsvortrag lernen wir die Idee der „Rechte der Natur“ kennen. Sie betrachtet die Natur nicht allein als Ressource für den Menschen, sondern fordert, Ökosysteme als Träger eigener Rechte anzuerkennen – etwa auf Schutz und Fortbestand. Weltweit wird zunehmend erprobt, wie Menschen und Institutionen diese Rechte vertreten und Umweltschäden dadurch wirksamer verhindern können.
- In einer Zukunftswerkstatt entwickeln wir frei und gemeinsam Ideen für den Gewässerschutz: Wie können wir bewahren, was uns wichtig und lieb geworden ist? Und wie können aus unseren Ideen konkrete Schritte entstehen?
- Zum Abschluss präsentieren wir die Ergebnisse des Wochenendes in einer kleinen Pop-up-Ausstellung. Freund:innen und Familie sind herzlich eingeladen, gemeinsam mit uns zu schauen, ins Gespräch zu kommen und das Wochenende ausklingen zu lassen.
Anmelden bis
31.08.26
Der Workshop lebt von persönlichen Geschichten und unterschiedlichen Blickwinkeln. Da die Zahl der Teilnehmenden auf 20 begrenzt ist, möchten wir eine möglichst vielfältige Gruppe zusammenbringen. Schick uns über das Formular deine Interessensbekundung und erzähl uns kurz, was dich mit dem Plessower See verbindet oder warum du dabei sein möchtest. Anschließend melden wir uns bei dir und bestätigen deinen Platz.
Die Teilnahmegebühr beträgt regulär 10 €. Für Studierende ist die Teilnahme kostenfrei.
Dank unserer Förderung können wir außerdem fünf Soli-Plätze kostenfrei vergeben. Wenn die Teilnahmegebühr für dich gerade eine Hürde ist, gib das einfach im Formular an – unkompliziert und ohne weitere Begründung.
Wer wir sind
Hinter „Am See sagen wir Du“ stehen Birte, Lena, Carl und Adina – ein interdisziplinäres Team aus Design, Wissenschaft, Kunst und Vermittlung. Uns verbindet die Frage, wie Menschen die Gewässer vor ihrer Haustür neu wahrnehmen, ihre persönliche Beziehung zu ihnen vertiefen und gemeinsam Verantwortung für ihren Schutz übernehmen können.
Entstanden ist die Workshopreihe im Rahmen von Birtes Masterarbeit im Studiengang Design an der Fachhochschule Potsdam. Am Beispiel des Wassermangels in Brandenburg untersuchte sie, wie partizipative Gestaltungsmethoden Klimakommunikation persönlicher und zugänglicher machen können und Menschen dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden. Aus dieser Arbeit entwickelte sie das Konzept für „Am See sagen wir Du“.
Birte
Kommunikationsdesignerin aus Werder (Havel) mit besonderem Interesse an der Frage, wie wir als Gesellschaft zu einem umweltbewussten und engagierten Handeln finden können. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit lokaler Klimakommunikation in Brandenburg.
Lena
Medienwissenschaftlerin und Dramaturgin. Sie forscht an der Schnittstelle von Kulturarbeit, Performance und ökologischer Bildungsarbeit und entwickelt Formate, die Wissen, Begegnung und gemeinsames Erleben verbinden.
Carl
Creative Technologist und Kommunikationsdesigner aus Werder (Havel). Er bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Raum und entwickelt interaktive Formate, die neue Perspektiven auf unsere Umwelt eröffnen.
Adina
Designerin und Fotografin. Sie setzt sich mit künstlerischen Vermittlungsformaten zur bewussten Wahrnehmung lokaler Gewässer auseinander. Darüber hinaus engagiert sie sich ehrenamtlich im Projekt „Unterwasserwelten“, das sich für den Schutz und die Sichtbarkeit unserer Unterwasserökosysteme einsetzt.